Explorative Datenstories dienen dazu, Daten zu untersuchen, Muster zu entdecken und Hypothesen zu generieren, ohne vorab klare Antworten zu suchen. Explanative Datenstories hingegen präsentieren gezielt bereits bekannte Ergebnisse, um Zusammenhänge zu erklären und eine klare Botschaft zu vermitteln.

Explorative Datenstories eignen sich in der Forschung oder bei der Analyse neuer Datensätze, um unerwartete Muster oder Korrelationen zu finden, z. B. bei der Untersuchung von Kundenverhalten. Explanative Datenstories passen besser in Präsentationen oder Berichte, um spezifische Erkenntnisse klar zu kommunizieren, z. B. die Ergebnisse einer Marketingkampagne zu erklären.
Ein Beispiel von The Guardian - China's Economic Slowdown das beider explorativ wie auch explanativ ist.

Das Hauptmerkmal explorativer Datenvisualisierungen ist die Offenheit und Flexibilität, die es ermöglicht, Muster, Korrelationen oder Ausreißer in den Daten zu erkennen. Während Interaktivität hilfreich sein kann, beispielsweise durch Filter oder Zoomfunktionen, ist sie nicht zwingend erforderlich. Auch statische, gut gestaltete Visualisierungen, die verschiedene Perspektiven auf die Daten bieten, erfüllen diesen Zweck.
Explanative Datenvisualisierungen sind klar, zielgerichtet und fokussieren auf die Vermittlung einer spezifischen Botschaft oder Erkenntnis. Sie nutzen einfache, leicht verständliche Designs, heben zentrale Informationen hervor und vermeiden unnötige Details, um die Kernbotschaft präzise zu kommunizieren.
Ein narratives Muster beschreibt eine wiederkehrende Struktur oder Abfolge in einer Erzählung, die hilft, Informationen verständlich und kohärent zu vermitteln. Es dient als Vorlage, um Daten, Ereignisse oder Ideen logisch aufzubauen, z. B. durch eine Problem-Lösungs- oder Ursache-Wirkungs-Struktur.
Narrative Muster, die aufs Argumentieren abzielen, präsentieren logisch fundierte Fakten und Beweise, um den Leser zu überzeugen, z. B. eine Kosten-Nutzen-Analyse für eine neue Technologie. Muster, die über Empathie funktionieren, nutzen emotionale Geschichten oder persönliche Perspektiven, um eine Verbindung herzustellen, z. B. die Erzählung einer Betroffenen im Kontext des Klimawandels.
Ja, das narrative Muster kann vom Trägermedium abhängen, da unterschiedliche Medien spezifische Möglichkeiten und Einschränkungen bieten. Eine Erzähltechnik, die ausschließlich im Internet funktioniert, ist das scrollytelling: Hierbei werden Daten und Inhalte dynamisch beim Scrollen durch Animationen, interaktive Diagramme oder visuelle Übergänge präsentiert, was in gedruckten oder statischen Medien nicht möglich ist.
Nein, es braucht nicht immer einen Chart, um Daten zu visualisieren. Daten können auch durch Tabellen, Infografiken, Text-Annotationen oder Symbole effektiv dargestellt werden. Entscheidend ist, dass die Visualisierung die Daten klar und verständlich kommuniziert, je nach Zielgruppe und Kontext.
Ein Liniendiagramm wird benötigt, wenn Daten über eine kontinuierliche Zeitachse visualisiert werden sollen, um Trends, Entwicklungen oder Muster darzustellen. Typische Anwendungen sind Umsatzverläufe, Wetterdaten, Börsenkurse oder anderen Messungen über Zeit.
Ein Punktdiagramm (Scatter Plot) wird verwendet, wenn du Zusammenhänge oder Korrelationen zwischen zwei Variablen darstellen möchtest. Es ist ideal, um Cluster, Ausreißer oder Trends in großen Datenmengen zu erkennen, z. B. bei der Analyse von Einkommen vs. Bildung oder Temperatur vs. Verkaufszahlen.
Daten:
| Jahr | Benzin | Diesel | Hybrid | Elektrisch | Wasserstoff | Gas | Andere |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2005 | 185120 | 74114 | 604 | 13 | 0 | 442 | 389 |
| 2006 | 185807 | 80857 | 1569 | 9 | 0 | 1064 | 441 |
| 2007 | 185055 | 92333 | 3219 | 19 | 0 | 1653 | 1692 |
| 2008 | 189151 | 93366 | 3064 | 24 | 0 | 1136 | 1201 |
| 2009 | 182174 | 78755 | 3875 | 57 | 0 | 1063 | 529 |
| 2010 | 200576 | 90547 | 4213 | 201 | 0 | 721 | 302 |
| 2011 | 211540 | 109324 | 5325 | 452 | 0 | 651 | 526 |
| 2012 | 200576 | 124911 | 5530 | 924 | 1 | 519 | 406 |
| 2013 | 185070 | 115656 | 5966 | 1392 | 0 | 791 | 87 |
| 2014 | 180875 | 113304 | 5569 | 1948 | 0 | 1041 | 22 |
| 2015 | 185469 | 127899 | 5458 | 3882 | 15 | 1080 | 13 |
| 2016 | 178666 | 125595 | 7150 | 3525 | 10 | 944 | 4 |
| 2017 | 183637 | 113848 | 8186 | 4929 | 2 | 769 | 1 |
| 2018 | 188847 | 90360 | 10434 | 5411 | 27 | 805 | 5 |
| 2019 | 192430 | 79618 | 18133 | 13197 | 27 | 1252 | 2 |
| 2020 | 119097 | 51987 | 27423 | 19765 | 48 | 571 | 0 |
Quelle: Bundesamt für Statistik
Gegebener Plot:

Resultat:
Eine mögliche Story könnte der Übergang zu nachhaltigen Technologien sein, wobei die Grafik zeigt, wie alternative Antriebe (Hybrid und Elektro) seit 2017 stetig an Bedeutung gewinnen und erstmals die Dominanz konventioneller Antriebe herausfordern. Dabei sollte hervorgehoben werden:
Kategorien können zusammengefast werden zu Konventionel(Benzin und Diesel), Alternative(Elektro und Hybrid) und Andere.
Wandel der Antriebsarten bei Neuzulassungen (2005–2020)
Die Marktanteile der Antriebsarten bei Neuzulassungen in der Schweiz haben sich in den letzten Jahren spürbar verändert. Die folgende Grafik zeigt, wie alternative Antriebe wie Elektro- und Hybridfahrzeuge seit 2017 kontinuierlich an Bedeutung gewinnen, während der Anteil konventioneller Antriebe (Benzin und Diesel) seitdem rückläufig ist. Diese Entwicklung spiegelt den Übergang zu nachhaltigeren Technologien wider.
Obwohl konventionelle Fahrzeuge noch dominieren, deutet das Wachstum alternativer Antriebe auf einen langfristigen Strukturwandel hin, der durch technologische Fortschritte und umweltpolitische Maßnahmen weiter vorangetrieben wird.
Artikel von Financial Times:
«Tesla short-sellers take record losses in battle with Elon Musk»
Die Titel sind:
„Tesla shorts suffer record loss“
Monthly profit/loss in Tesla short interest ($)
und
„Tesla stock hits record high“
($)
Die Grafiken sind nach dem Prinzip der Hervorhebung der Hauptaussage betitelt. Jede Grafik hat einen prägnanten Titel, der die Kernbotschaft in wenigen Worten zusammenfasst. Dadurch wird die wichtigste Erkenntnis direkt kommuniziert, ohne dass der Leser erst die Grafik analysieren muss. Dies schafft Klarheit und lenkt den Fokus auf die zentrale Story.
Im Untertitel werden konkrete Details zur Grafik angegeben, wie die Einheit der Messung oder der Betrachtungszeitraum. Zum Beispiel: "Monthly profit/loss in Tesla short interest ($bn)" spezifiziert, dass es um monatliche Gewinne/Verluste in Milliarden Dollar geht.
Der Untertitel enthält keine Interpretationen oder Aussagen zur Bedeutung der Daten. Er stellt lediglich neutrale, sachliche Informationen bereit, ohne die Hauptaussage der Grafik zu bewerten oder zusätzliche Kontextinformationen hinzuzufügen.
Artikel von YouGov:
Strukturierte Überschriften und Untertitel:
Heatmap mit Farbintensität:
Textuelle Erklärungen und Annotationen:
Beispiele und narrative Erklärungen:
Der Beschriftungstext innerhalb der Grafik hebt wichtige Datenpunkte hervor und erleichtert die Interpretation, indem er konkrete Beispiele liefert. Er führt den Leser gezielt zu zentralen Erkenntnissen, ohne dass alle Werte selbst analysiert werden müssen.
Artikel Von The Guardian:
Die textlichen Elemente innerhalb der Grafik dienen dazu, dem Betrachter zusätzliche Informationen und Kontext bereitzustellen, um das Verständnis der dargestellten Daten zu erleichtern. Sie können wichtige Datenpunkte hervorheben, Trends erläutern oder spezifische Details erklären, die aus der visuellen Darstellung allein nicht sofort ersichtlich sind. Durch diese Beschriftungen wird die Interpretation der Grafik unterstützt und der Informationsgehalt erhöht.
Besonders auffällig ist, dass die textlichen Elemente in der Grafik gezielt dazu eingesetzt werden, komplexe Datenmuster verständlich zu machen, indem sie klare Beispiele, Erklärungen oder Schlüsselzahlen hervorheben. Sie sind oft so positioniert, dass sie den Blick des Lesers auf relevante Bereiche lenken und die wichtigsten Erkenntnisse direkt vermitteln, wodurch eine tiefere Analyse erleichtert wird.
Artikel von BBC:
Kombination von Daten und Kontext: Die Grafik verbindet den Verlauf des Wechselkurses (Pfund vs. US-Dollar) mit klar markierten Ereignissen (z. B. „Parliament orders 'meaningful vote' on Brexit“), die wesentliche Einflussfaktoren erklären.
Klarheit und Übersichtlichkeit: Der Verlauf der Linie ist deutlich erkennbar, und die Anmerkungen sind gut positioniert, sodass sie den Trend verständlich machen, ohne die Grafik zu überladen.
Fokus auf wichtige Punkte: Die Annotationen heben spezifische Wendepunkte hervor, die für die Interpretation des Wechselkursverlaufs entscheidend sind.
Quellenangabe: Die Datenquelle „Bloomberg“ ist deutlich angegeben, was Transparenz und Glaubwürdigkeit schafft.
Ich sehe kein Verbesserungspotenzial bei den textlichen Elementen dieser Plots. Sie sind hilfreich, gut leserlich und überfüllen den Plot nicht.
Im Leben gibt es eine magische Zahl: drei. Auch im Storytelling ist dies Zahl wichtig. Die meisten Geschichten haben einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende. Bereits in der Antike wurden Dramen deshalb als Abfolge von drei (oder manchmal auch fünf, wenn man die Handlung feiner unterteilt) Teilen begriffen. Viele weitere Erzähltheorien, die später folgten, bauten auf dieser Gliederung auf.
A Christmas Carol von Charles Dickens
Der hartherzige Ebenezer Scrooge wird an Heiligabend von Geistern besucht, die ihm seine Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft zeigen. Diese Konfrontationen mit seinem Leben und den Auswirkungen seines Geizes führen zu einem inneren Konflikt, der ihn tief erschüttert. Schließlich wandelt sich Scrooge, wird großzügig und herzlich und rettet so nicht nur andere, sondern auch sich selbst.
Nicht nur in Kinderbüchern oder Kinofilmen, sondern auch in Datenstorys ist die klassische Dreiteilung ein probates Gliederungsmittel, wie das folgende Schaubild nahelegt:

Für folgende Datenstory:
Die Datenstory folgt dem Schema von Einleitung, Hauptteil und Schluss.
Einleitung: Der Artikel beginnt mit der aktuellen Nachricht, dass der Euro weniger wert ist als ein Franken, und stellt die Frage, ob der Franken wirklich stark ist.
Hauptteil: Es werden verschiedene Grafiken und Analysen präsentiert, die den Wechselkurs des Frankens aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.
Schluss: Der Artikel schließt mit der Erkenntnis, dass der Franken nicht so stark ist, wie es auf den ersten Blick scheint, und dass die Wechselkursentwicklung von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird.
Erstens durch den Bezug auf frühere Krisen („Frankenschock“), zweitens durch eingestreute Fragen („Ist der Franken wirklich stark?“), drittens durch den sukzessiven Aufbau mit immer neuen Kennzahlen, die die anfängliche Annahme relativieren.
Sie gelangt zu der Erkenntnis, dass der Franken weder stark noch schwach ist, sondern sich im historischen Vergleich auf einem neutralen Wert bewegt. Dadurch wird die scheinbar dramatische Ausgangslage entdramatisiert.
Schema:
| Einstieg | Mittelteil | Schluss |
|---|---|---|
| • eine allgemeine Einführung ins Thema | • eine Komplikation im Anschluss an die Einführung | • Widersprüche auflösen, Synthese formulieren |
| • eine spezifische (überraschende?) Beobachtung | • eine Erklärung zu deiner Beobachtung | • Was an den Beispielen generalisierbar ist |
| • eine These, die du beweisen oder entkräften möchtest | • ein Beispiel, das deine These untermauert | • Was deine These für weitere Implikationen hat |
| • ein Widerspruch, der erklärt werden muss | • eine tiefere Erklärung zu deinem Widerspruch | • Was das Publikum aus der Story mitnehmen muss |
Beschreibung der Dramaturgie der Datenstory:
| Einstieg | Mittelteil | Schluss |
|---|---|---|
| • Der Artikel beginnt mit der Beobachtung, dass der Euro weniger wert ist als ein Franken. | • Verschiedene Daten und Grafiken zeigen, dass der Franken nicht so „stark“ ist, wie es zunächst erscheint. | • Der Artikel schließt mit der Erkenntnis, ist, dass der Franken weder stark noch schwach sondern historisch neutral bleibt. |
| • Der Wechselkurs von Euro und Franken wirkt dramatisch und außergewöhnlich niedrig. | • Wechselkursschwankungen sind weniger auf tatsächliche Stärke zurückzuführen als auf wirtschaftliche und politische Faktoren. | • Wechselkurse sind komplex und werden durch zahlreiche politische und wirtschaftliche Faktoren beeinflusst. |
| • Die Frage „Ist der Franken wirklich stark?“ wird aufgeworfen. | • Daten aus früheren Krisen, wie dem „Frankenschock“, stützen die Analyse. | • Wechselkursentwicklungen erfordern differenzierte Betrachtungen. |
| • Der Widerspruch, warum der Franken stark wirkt, obwohl er im Kontext neutral ist, wird aufgezeigt. | • Der vermeintlich „starke“ Franken ist oft temporären Schwankungen geschuldet. | • Der Artikel zeigt, dass einfache Schlagworte wie „stark“ oder „schwach“ unzureichend sind. |
Zum Datensatz des Bundesamt für Statistik:
Steigende Lebenserwartung
Stark sinkende Kinder- und Säuglingssterblichkeit
Rückgang der Lungenkrebssterblichkeit
Kosten des Gesundheitswesens
Auffällige Werte bei Mortalitäten
Selbsttötung
Diskrepanz zwischen Pandemieerscheinung AIDS und aktuelle Daten
Allgemeiner positiver Trend
Allgemeiner negativer Trend
+------------------------------------------------+---------------------------------------------+------------------------------------------------+ | Einstieg | Mittelteil | Schluss | +------------------------------------------------+---------------------------------------------+------------------------------------------------+ | • Die Säuglingssterblichkeit ist ein zentraler | • Obwohl die Säuglingssterblichkeit stark | • Fortschritte im Gesundheitswesen und der | | Indikator für die Qualität eines | zurückgegangen ist, gibt es große | medizinischen Versorgung haben die Zahlen | | Gesundheitssystems. | regionale Unterschiede und zeitliche | signifikant verbessert. | | | Schwankungen, die auf soziale und | | | | wirtschaftliche Faktoren hinweisen. | | | | | | | • Überraschend ist der drastische Rückgang | • Fortschritte in der medizinischen | • Andere Länder können von diesen Maßnahmen | | seit den 1950er-Jahren von 31 Fällen pro | Versorgung, wie Impfungen und | profitieren, jedoch bleiben soziale | | 1.000 Lebendgeborenen auf weniger als 4 pro | pränatale Betreuung, sind zentrale Gründe.| Disparitäten ein Problem. | | 1.000 Lebendgeborenen heute. | | | | | | | | • These: Fortschritte in der medizinischen | • Beispiel: Einführung von Impfungen, | • Der Rückgang ist generalisierbar für Länder, | | Versorgung und Prävention sind der | verbesserte Hygiene und pränatale | die in medizinische Grundversorgung | | Haupttreiber dieses Rückgangs. | Betreuung seit den 1950er-Jahren. | investieren. | | | | | | • Widerspruch: Warum gibt es weiterhin | • Erklärung: Sozioökonomische Faktoren und | • Die Säuglingssterblichkeit bleibt ein | | Unterschiede zwischen Ländern oder | Ungleichheiten im Zugang zur | Gradmesser für Ungleichheit und | | Regionen trotz des globalen Fortschritts? | Gesundheitsversorgung spielen eine Rolle. | Fortschritt weltweit. | +------------------------------------------------+---------------------------------------------+------------------------------------------------+
In 1950, infant mortality in Switzerland was high—31 deaths per 1,000 live births. More babies didn’t survive their first year due to limited healthcare and fewer medical advances. Over the years, things changed. By 1995, the rate had dropped to 5.1 per 1,000, and by 2019, it was just 3.3 per 1,000 live births. This shows how improvements in healthcare, like better prenatal care and vaccines, saved lives.
Switzerland’s steady decline in infant deaths is a success story. Investment in hospitals, access to clean water, and good nutrition for mothers and babies all made a big difference.
Switzerland’s story shows what’s possible when a country focuses on health. But it’s also a reminder that not every country has the same resources. While Switzerland’s rates are among the lowest in the world, countries like those in Africa still face high infant mortality. Switzerland’s progress is a lesson for the world: with the right investments, more lives can be saved everywhere.